Fünf Generationen am Wasser

Seit der Gründung im Jahr 1870 prägt eine Familie den Betrieb: Reparatur, Neubau, Bergung und Taucherei – die Geschichte der Werft ist eng mit der Geschichte des Hamburger Hafens verwoben.

1870

Gründung am Stadtdeich

Der Hamburger Schiffbauer Martin Adolph Flint eröffnet am 15. September eine Reparaturwerft am Stadtdeich. Sein Ziel: die Instandhaltung der wachsenden Hafenflotte – ein Geschäft mit Zukunft.

1871

Umzug nach Steinwerder

Schon ein Jahr später wächst der Betrieb über seinen Standort hinaus und zieht an die Norderelbstraße auf die Elbinsel Steinwerder – damals aufgeschüttet mit Trümmern des großen Stadtbrands, heute Heimat der Werft am Ellerholzdamm.

Slipanlagen der Werft M. A. Flint am Ellerholzdamm
1873

Bergungs- und Taucherfirma

Mit den ersten brauchbaren Taucheranzügen und Atmungsgeräten wagt sich Flint in ein neues Metier: Die Bergungs- und Taucherfirma entsteht. Eine eigene Bergungsflotte – mit dem 70 Meter langen Pumpendampfer „Adolf“ und selbst gebauten Holzschuten – räumt Wracks und hilft in Seenot.

Um 1900

Vom Reparatur- zum Neubaubetrieb

Neben der Reparatur wächst der Neubau: Schuten und Schlepper für den Hamburger Hafen, um die Jahrhundertwende auch Binnenschiffe wie „Manuele“, „Ingried“ und „Lieschen“. Die Werft firmiert inzwischen am Ellerholzdamm mit eigenem Wasseranschluss am Reiherstieg.

1912

Zweite Generation: William Flint

Martin Adolph Flint übergibt das Unternehmen an seinen Sohn William, der – wie sein Bruder Harry – bei der Marine zum Taucher ausgebildet wurde. 1920 stirbt der Gründer; 1927 übernimmt Adolph Flint, der Enkel des Gründers, die alleinige Leitung.

1914–1918

Bergungen im Ersten Weltkrieg

Die Marine zieht Adolph Flint, erfahrene Werftleute und zwei Bergungsschiffe ein: In der Ostsee werden gesunkene Schiffe gehoben, an der Donau bei Turnu Severin in Rumänien schließlich über 50 Wracks unter Flints Leitung wieder flott gemacht. Es ist der größte Bergungserfolg der Firmengeschichte.

1920er

Motorisierung und Patentslips

Die Werft rüstet sich für die Motorisierung der Küstenschifffahrt aus: Patentslips ersetzen das einfache Aufschleppen, die Maschinenwerkstatt erhält eine weitgehend neue Einrichtung. 1926 löst der Bergungsdampfer „Taucher Flint I“ den alten „Adolf“ ab. 1935 wird der Motorschlepper „Margot“ abgeliefert.

1939–1945

Krieg und Wiederaufbau

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt schwere Bombenschäden auf der Werft und an den Schiffen. Danach wartet eine gewaltige Aufgabe: Der Hamburger Hafen ist voller Wracks, die geräumt werden müssen – geradezu ein Fall für die Bergungsprofis von der Elbe.

Schiffe auf der Werft M. A. Flint
1948

Vierte Generation: Carl-Heinrich & Adolf Flint

Die Söhne des Chefs treten als persönlich haftende Gesellschafter ein. Nach den umfangreichen Wracksräumungen wächst der Betrieb auf über 100 Mitarbeiter. Neue Aufträge folgen: Neumotorisierungen, Verlängerungen, Umbauten – und Neubauten für den Hamburger Hafen.

1947–1970er

Reederei M.A.F.

Mit der Reederei M.A.F. betritt die Familie auch die Küstenschifffahrt. 1959 liefert die Travemünder Hagelstein-Werft das Motorschiff „Adolph Flint“ – den ersten Neubau. Bis in die 1970er wächst die Flotte auf acht Küstenmotorschiffe, die später aus Personalkostengründen nach und nach verkauft werden.

Werftanlagen der M. A. Flint
1984

Fünfte Generation: Jan Flint

Schiffbauer Jan Flint, ältester Sohn von Carl-Heinrich Flint, übernimmt die Firma – mit Taucherlehre im väterlichen Betrieb und Patenten als Schiffsführer. Sein Bruder Dirk ist seit 1986 Geschäftsführer und Gesellschafter. Um 1990 umfasst die Bergungsflotte Schiffe wie „Taucher Flint I, II, VI und VII“ sowie den Schwimmkran „Taucher Flint V“ mit 200 Tonnen Hebekraft.

2004–2005

Neuausrichtung als Reparaturwerft

Als die Bergungsaufträge seltener werden, meldet der Bereich Bergung und Tauchen Insolvenz an. Die Werft konzentriert sich ab 2005 als Schiffswerft M. A. Flint GmbH neu auf ihr Kerngeschäft: schiffbauliche Reparaturen auf fünf Patentslips – mit reduzierter, aber erfahrener Mannschaft bis heute.

Blick auf die heutige Werft M. A. Flint
Heute

Tradition mit klarer Kurslinie

150 Jahre Werftgeschichte stehen heute für eines: Erfahrung, auf die sich Schiffseigner verlassen können. Was 1870 mit Reparaturen am Stadtdeich begann, wird in fünfter Generation am Ellerholzdamm fortgeführt.

„Wir machen klar Schiff!“Schiffswerft M. A. Flint GmbH